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Wald erleben mit allen Sinnen

„Mia war schon beim ersten Mal Abholen voller Begeisterung. Sie hat nur so gesprudelt und von all den Eindrücken erzählt. Körperlich war sie immer total fix und fertig – angenehm ausgepowert", erzählt Mias Mutter. So hat sie ihre Tochter nach den Tagen im Wald erlebt. Mia und weitere sieben Kinder im Alter von 5 bis 10 Jahren haben drei ganz besondere Tage im Walderlebniszentrum in Sinzing verbracht. Begleitet und angeleitet von Heilpädagogin und Naturpädagogin Sylvia Fenzl und Physiotherapeutin Anne Liegel haben sie am Waldprojekt des Regensburger Kinderzentrums St. Martin teilgenommen.

…und wieder kann uns der Albert was Neues zeigen! Welche Tierspur kann man denn hier erkennen? Wer weiß es?

Dank an Aktion Sonnenschein

Die Waldtage ohne die finanzielle Unterstützung des Fördervereins Aktion Sonnenschein Regensburg? „Kaum möglich", sagt Sylvia Fenzl und macht zugleich auf das wohl bekannteste jährlich wiederkehrende Projekt des Fördervereins und dessen Vorsitzender Dipl.-Kauffrau Sissi Riebeling aufmerksam: Es ist die Weihnachtstombola im Donaueinkaufszentrum, die dort im Advent stattfindet und deren Erlös vollständig dem Kinderzentrum St. Martin der Katholischen Jugendfürsorge zugute kommt. In diesem Jahr findet der Losverkauf vom 11. bis zum 16. Dezember statt.

Mit dem Walderlebniszentrum Sinzing haben Sylvia Fenzl und Anne Liegel einen weiteren Kooperationspartner, der ihr Waldprojekt unterstützt. „Die Kinder lieben Albert Köglmeier", sagt die Naturpädagogin. Der Forstwirtschaftsmeister weiß alles über den Wald und die Tiere, die darin leben. Wenn er erzählt, hängen die Kinderaugen an seinen Lippen. So hat er der Gruppe aus dem Kinderzentrum gelernt, Tierspuren zu erkennen, wo genau die Tiere im Wald leben und was sie fressen. „Der Albert hat gesagt …", so präsentierte Maxi seinen Eltern noch Tage nach dem Projekt sein neues Wissen über den Wald.

Leben unterm Blätterdach

Das Wetter nicht so gut heute? Macht nichts! Mit Buddelhose, gutem Schuhwerk, Regenjacke, Mütze und mehreren Schichten übereinander geht es trotzdem raus in den Wald. Für manche Kinder ist es ein ganz besonderes Erlebnis, wenn sie sich draußen ohne Zeitdruck und einengende Vorgaben bewegen können. „Kinder haben heute immer weniger die Möglichkeit, selbständig neue Räume zu entdecken", erklärt Sylvia Fenzl. Das Waldprojekt biete ihnen die Möglichkeit, die Natur in ihrer Schönheit und Vielfalt kennenzulernen. Dies geschehe spielerisch und mit allen Sinnen. „Kinder haben einen natürlichen Aktivitäts- und Erfahrungsdrang, da kommen ihnen die Erlebnisräume in Wald, Feld und Flur in ungewöhnlicher, aber so nahe liegender Weise entgegen", so Fenzl weiter.

Kinder lernen am besten durch Beobachten, Nachahmen und Ausprobieren

Sylvia Fenzl kennt die Kinder im Waldprojekt gut. Sechs dieser Kinder sind in heilpädagogischer Therapie einmal pro Woche bei ihr im Kinderzentrum St. Martin. Außerdem waren diese bereits im Vorjahr beim Waldprojekt dabei. „Es war eine wunderbare Erfahrung, weil sich die Kinder von Anfang an ohne Scheu auf alles einlassen und genießen konnten. Sie fühlten sich sicher und kannten den Wald bereits", macht Anne Liegel deutlich. Beim Matschen mit der Erde, Fühlen von Rinde, Blättern und Halmen, Balancieren auf Baumstämmen, Spuren lesen, am Lagerfeuer und auf Streifzügen durch den Wald vertieften sie Erlerntes, erlebten bewusst eigene Gefühle und Grenzen.

Die Kinder profitieren von den Erfahrungen im Wald. Dort wenden sie in der Gruppe an, was sie bereits gelernt haben: sich auszutauschen und abzustimmen, auf den anderen Acht geben und einander zu helfen. Darüber hinaus bietet der Wald den Kindern die Möglichkeit, eine positive Beziehung zu ihrem Körper und zu sich selbst aufzubauen. Sie erfahren, wie sie selbst wirksam sein können. Das fördert die Entwicklung eines positiven Selbstkonzeptes. Als heimlicher Lehrer bietet der Wald günstigsten Bedingungen für eine gesunde körperliche, geistige und seelische Entwicklung der Kinder. Jede Blume, jedes Tier und auch jeder Mensch hat seinen Platz, seine Berechtigung und seine Aufgabe. Kinder lernen am besten durch Beobachten, Nachahmen und Ausprobieren. Inmitten der Natur erleben sie Geborgenheit und Schutz - die Natur ist der eigentliche Taktgeber.

Text: Christine Allgeyer
Bild: Sylvia Fenzl