Fütter- und Schluckstörungen

Die Ernährung von Kindern jeglichen Alters gelingt in vielen Fällen ohne große Schwierigkeiten und für kleine Probleme finden die Eltern i.d.R. selbst eine Lösung. Die Praxis zeigt jedoch auch, dass bei ungefähr jedem vierten Kind mit einer normalen, altersgerechten Entwicklung Fütterprobleme auftreten, bei entwicklungsauffälligen Kindern bei bis zu 75 Prozent. Des Weiteren gibt es Kinder, die aufgrund einer muskulären bzw. genetischen Erkrankung oder einer Mehrfachbehinderung eine kindliche Schluckstörung aufweisen, welche die Nahrungsaufnahme erschwert. Von all diesen Kindern haben etwa 1-2 Prozent neben einem schwerwiegenden Problem in der Ernährung noch eine Gedeihstörung, d.h. sie nehmen nicht genug an Gewicht zu. Manche Kinder müssen deshalb teil- oder vollsondiert werden.

Dies belastet nicht nur die Beziehung zwischen den Eltern und ihrem Kind, sondern auch die gesamte Entwicklung. Mögliche Folgen können Einbußen in der kognitiven (geistigen) Entwicklung, Verhaltensstörungen, Ängste und (im Jugend- und Erwachsenenalter) Essstörungen sein.

 

Von einer Fütterstörung spricht man, wenn:

  • über länger als 4 Wochen eine nicht-ausreichende Nahrungsaufnahme mit mangelnder Gewichtszunahme oder -verlust festzustellen ist,
  • kein Zusammenhang zu einer medizinischen (insbesondere gastroenterologischen) Erkrankung besteht,
  • das Fütterproblem nicht durch eine andere psychische Störung oder durch mangelndes Nahrungsangebot erklärt werden kann,
  • der Beginn vor dem 6. Lebensjahr liegt.

 

Von einer kindlichen Schluckstörung spricht man, wenn:

  • sowohl die Beweglichkeit der am Schluckakt beteiligten Muskeln als auch die Sensibilität in Gesicht, Mundinnenraum und Rachen betroffen sind. Damit sind die Koordination der Muskeln und die Koordination zwischen Schlucken und Atmen erschwert bzw. eingeschränkt.
  • Säuglinge beim Trinken aus der Flasche oder an der Brust nur schwach und zu wenig saugen und/oder häufig husten, sich verschlucken und evtl. auch ihre Atmung unterbrechen.
  • (Klein-)Kinder Probleme haben, Breikost oder Flüssigkeit altersentsprechend aufzunehmen, zu transportieren und zu schlucken oder wenn sie vor dem Abschlucken feste Nahrung nicht angemessen kauen.
  • Speichel nicht altersentsprechend abgeschluckt wird und aus dem Mund austritt.
  • es vor dem oder beim Schlucken durch die eingeschränkte Koordination mit der Atmung zu Aspirationen kommt und Nahrung/Speichel in die Luftröhre eintritt.

Allen Fütter- und Schluckstörungen ist eine unangemessene Ernährung – entweder quantitativ (Menge) oder qualitativ (Auswahl) – gemein. Die Ursache kann am kindlichen Verhalten liegen, auf Problemen der Interaktion oder psychischen Problemen wie Trennungsangst oder sozialen Ängste beruhen oder aber organische Ursachen haben.

So unterscheiden wir unter anderem:

 

Diagnostik im interdisziplinären Setting

  • sehr ausführliche Anamnese
  • ärztlich-neurologische Untersuchung
  • logopädische Befunderhebung zu Schlucken/Nahrungsaufnahme
  • psychologische Diagnostik in Abhängigkeit der Problematik
  • ggf. Veranlassung notwendiger Laboruntersuchungen und Sonographie sowie organischer Abklärung und apparativer Schluckdiagnostik (mit Kooperationspartnern)

 

Behandlung im interdisziplinären Setting

Wir sprechen mit den Eltern über die Ursache und das Erscheinungsbild der entsprechenden Fütter- bzw. Schluckproblematik und leiten schrittweise zur Veränderung an. Dazu arbeiten wir auch mit Home-Videos bzw. mit  „live"-Füttern in unserer Einrichtung. Abhängig von der Störung kann zusätzlich eine orofaziale Therapie oder eine Schlucktherapie sinnvoll sein und bei uns oder wohnortnah durchgeführt werden.

Bei Bedarf werden noch andere Fachdisziplinen (Physiotherapie, Heilpädagogik, Phoniatrie) hinzugezogen. In seltenen Fällen empfehlen wir das Legen einer Magensonde, um die Nahrungsaufnahme kurz- bzw. längerfristig zu erleichtern und eine ausreichende Ernährung zu gewährleisten.

Kinder mit einer Magensonde jeglicher Art können bei uns ambulant von der Sonde entwöhnt werden. Dies ist für jede Familie individuell abzuwägen, muss medizinisch vertretbar sein und dauert gewöhnlich länger als in einem stationären Setting. Zusammen mit den Eltern und unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle werden das Tempo des oralen Nahrungsaufbaus, die Reduzierung der sondierten Nahrung und ggf. weitere Therapien geplant. Die Familien werden von uns dabei in Beratungsterminen und Telefonaten begleitet.